Wettkampfbericht Inselschwimmen Norderney

Von Michael Janssen

Sonntag, 10. August, 9:45 Uhr, Fähr-Parkplatz Norddeich:

300 in Neoprenanzüge gekleidete Personen warten in Reisebussen darauf, zum DLRG Stützpunkt Hilgenriedersiel gebracht zu werden.

Meine Frau, die mich in den Norden begleitete, hatte sich bereits verabschiedet und mir viel Spaß und Kraft bei meinem Vorhaben gewünscht. Sie wollte sich einen Platz auf dem großen Begleitschiff sichern, um Fotos vom Abenteuer „Inselschwimmen“ machen zu können, dass nun schon im zweiten Jahr in Norderney sein Ziel (früher wurde von Langeoog nach Bensersiel geschwommen) fand.

Früh morgens hatten wir unsere Startunterlagen erhalten, unser in LKW’s verladenes Gepäck war bereits auf dem Weg Richtung Fähre nach Norderney. Aber mit der Fähre kommt da ja jeder hin! Warum also nicht die Strecke von 8,2 Kilometer durch die Nordsee schwimmen? Dies ist ein glänzendes Beispiel dafür, auf was für bescheuerte Ideen man kommt, weil man das gesamte letzte 3/4 Jahr durch Muskelbündelriss und anschließendem Bandscheibenvorfall auf die anderen beiden Triathlon-Disziplinen verzichten muss.
Am DLRG Gelände in Hilgenriedersiel angekommen, gab es eine kurze Renn-Besprechung mit dem Tenor: „Immer Richtung Leuchtturm und dann an der ersten roten Boje links herum weiter bis zum Hafen!“ – na dann.

Nach einer letzten Erfrischung machte sich der Pinguin-Tross – vorbei an staunenden Schafen – zu Fuß auf den circa ein Kilometer langen Wanderweg über den Deich zum Naturbadestrand. Ganz weit hinten, am Horizont, da war er zu erkennen, der Leuchtturm! Junge, Junge – das sieht weit aus… Aber ich fühlte mich gut vorbereitet, hatte ich doch die letzten Monate 2-3-mal die Woche jeweils 90-120 Minuten den Kaarster See durchpflügt.

Inselschwimmen Norderney 1

Der Wind war zum Glück nicht so heftig wie am Vortag, denn dann hätte von Seiten des Veranstalters eine Renn-Absage gedroht. So gab es nur mäßigen Wellengang im Startbereich, eigentlich perfekte Bedingungen. Doch wie so oft – der Schein trügt, wie sich im Laufe des Wettkampfes rausstellen sollte.

Start:

Ab geht’s durchs Watt einige hundert Meter in die Nordsee, die eine Temperatur von 22 Grad hatte, bis wir an den Start-Bojen bis zur Hüfte im Wasser standen. Die Anspannung steigt, die Flossenschwimmer unter den Teilnehmern ziehen ihr Zusatz-Equipment an und dann setzen sich auch schon die circa 10 Begleitboote der DLRG, die die Sicherheit auf dem Weg vom Festland zum Surferhafen auf der Insel gewährleisten sollten, in Bewegung. Kurz darauf ertönt das Startsignal und ab ging die Post.
Die ersten zwei-drei Kilometer lassen sich gut an, die Gruppe mit den Top-Barfuß-Schwimmern sowie der Großteil der „Flossies“ hatte sich bereits ein wenig abgesetzt, das breite Mittelfeld folgte, alle auf Kurs Leuchtturm, der aber irgendwie nicht näher zu kommen scheint.

Inselschwimmen Norderney 2Gleichzeitig werden die Wellen immer höher, die Orientierung fällt merklich schwerer, denn teilweise sieht man weder Bojen noch andere Weggefährten. Kurz anhalten, einmal Rundum-Blick – ah, da waren ja die Begleitboote und ganz weit hinten ist die rote Fahrwasser-Tonne, die bedeutete, ab hier geht’s links noch etwa 5 Kilometer Richtung Zielhafen. Puh, schon wieder ganz schön weit von der Ideal-Linie abgetrieben worden (am Ende sollten es 8,95 anstatt 8,2 Kilometer für mich werden), aber das ging wohl nicht nur mir so, denn mittlerweile hatte sich das Feld massiv in die Länge und auch dramatisch in die Breite gezogen, so dass die DLRG-Boote alle Hände voll zu tun hatten, den Tross „auf Spur“ zu halten.

Inselschwimmen Norderney 3

Die Wellen schaukelten sich immer weiter auf, die Anzahl der Stopps erfolgte jetzt fast im Zweiminuten-Takt, um nicht noch weiter von der Strömung abgetrieben zu werden. Blick zur Uhr: Sechs Kilometer geschafft, aber das Ziel noch nicht in Sicht. Also weiter Schwimmen, stoppen, über die Wellen gucken, usw. – das war im Kaarster See irgendwie einfacher. Irgendwann waren die gelben Zielbojen zu sehen, noch ein paar Hundert Meter, dann war es geschafft.

Der Ausstieg nach über zwei Stunden in der Horizontalen zurück in den aufrechten Gang wird einem von vielen DLRG-Helfern am Ufer erleichtert. Erschöpft, aber überglücklich ging es durch den Zielbogen zu bereitgestellten Getränken und Verpflegung.

Kontrollblick zur Uhr: 2h17:42 – Gesamtplatz 97 – AK15. Zufrieden!

Generell handelt es sich beim Inselschwimmen Norderney um eine sehr gut organisierte Open-Water-Veranstaltung, die ihresgleichen in Deutschland sucht; allerdings gibt es auch nur 300 Startplätze, da heißt es schnell sein bei der Anmeldung.

Falls sich der ein oder andere nun von diesem Artikel angespornt fühlt, das Inselschwimmen in seine Wettkampfplanung für 2015 aufzunehmen, so kann ich Euch nur bessere Wetterbedingungen wünschen, als wir sie in diesem Jahr hatten – dazu noch drei interessante Fakten:

  • Teilnehmer, die bereits im letzten Jahr die Überquerung gemeistert hatten, berichteten übereinstimmend, dass sie zwischen 25-30 Minuten langsamer waren als letztes Jahr, als es wohl beste Strömungs-Bedingungen und fast keinen Seegang gab.
  • Mehr als 10 Prozent der Teilnehmer mussten das Schwimmen abbrechen und ärztlich versorgt werden.
  • Christof Wandratsch, einer der erfolgreichsten deutschen Langdistanz-Schwimmer (u.a. Inhaber der schnellsten jemals innerhalb eines Ironman-Wettkampf geschwommenen Zeit über 3,8 Kilometer, sowie Rekordhalter bei der Querung der Straße von Gibraltar als auch des Bodensee / 66,7km in 20h41), hatte sich Hoffnungen gemacht, den Streckenrekord aus dem Vorjahr (1h13) zu knacken und verfehlte dieses Ziel um 27 Minuten (!)

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