Fortunen auf Tour

auf-Tour1Von Peter Damjancevic

Ereignisreiche Tage liegen hinter mir. Am 08. Juni konnte/durfte ich mal wieder im Rhein baden! Grund hierfür war der von mir zum zehnten Mal absolvierte Bonn Triathlon – ein Klassiker in meinen Augen. Deshalb habe ich mich auch entschlossen, diesen zu absolvieren, obwohl bereits eine Woche später die Challenge Kraichgau anstand.

Aber Bonn ist für mich ein Muss, und auch die erste Überprüfung, ob denn meine alten kaputten Knochen die Belastung mitmachen. Mit dabei vom geilsten Club der Welt (für die „Nichtwisser“, gemeint ist natürlich die Fortuna!) noch Bernd Haase und Holger von Tongelen, Letzterer wieder traditionell nur mit Badehose bekleidet und auf seinem alten MTB unterwegs.

Die Distanzen ändern sich nicht, laut meiner neuen GPS Uhr waren es diesmal sogar 4,1 Kilometer, vielleicht bin ich aber auch schief geschwommen, was aber im Rhein schwer möglich ist Smile

Nun denn, die Zeiten variieren von Jahr zu Jahr, denn die Strömungsgeschwindigkeit ist immer unterschiedlich. Trotzdem, eine Zeit von circa 36 Minuten auf dieser Distanz, dass sollte ich mal bei einer Langdistanz schaffen!

Die Radstrecke im Vergleich zu den Vorjahren wurde geändert, zu meinem Leidwesen muss ich sagen. Mir gefiel die große Runde von Bonn über Hennef durch das Siebengebirge. Leichter ist die neue Strecke aber nicht, ganz im Gegenteil. Mit einer Zeit von knapp über zwei Stunden für die 60 Kilometer kann ich aber zufrieden sein. Das Laufen hingegen bereitete mir Schwierigkeiten. Ich kam gar nicht „zu Potte“, die Beine waren schwer, die erste von drei Runden grottenschlecht. In der zweiten Runde kam Holger von seinem Radsplit zurück, und wir liefen gemeinsam, jedenfalls bis er trotz einer Zerrung nach gut acht/neun Kilometer wieder davonlief. Meine Zeit auf den 15 Kilometern = 1.28 Stunden – herrjeh.

Aber immerhin war ich bester Fortune (dass Jörg Knappe mit über 30 Minuten schneller war, wird verschwiegen – Cheffe überholen geht gar nicht *g)

Nun hieß es Körner sparen für den Kraichgau eine Woche später, bei dem insgesamt zehn Fortunen am Start sein sollten.

auf-TourDie Anreise mit Philip Behrends, der seine erste Mitteldistanz absolvieren sollte, verlief sehr angenehm. Untergebracht waren wir – wie immer – im Kurpark unweit des Ziels, direkt an der Laufstrecke.

Philip genoss sichtlich die Atmosphäre bei einem solchen Event. Ob es die Startunterlagenausgabe war, die Triathlonmesse, oder aber die Banner an den Straßen, die uns Triathleten „Herzlich Willkommen“ hießen, all dies machte Eindruck. Ich kannte das noch von meinen früheren Wettkämpfen, jetzt ist dieses Staunen etwas verloren gegangen, leider. Aber die großen Augen von Philip steckten dann doch etwas an.

Die Räder wurden gecheckt, eine Streckenbesichtigung mit dem Rad unternommen, am Abend lecker Hefeweizen getrunken (etwas zu viel für einen ambitionierten Athleten *g), am Morgen dann der Hardtsee getestet. Neoprenverbot ob der doch warmen Temperaturen stand im Raum, anders gesagt, diese Meldung stach mir wie ein Schwert in meine Triathletenbrust. Aber wer auch immer hat nächtens dann wohl Eis in den See gekippt, Neopren war am Morgen erlaubt.

In der Nacht vor dem Wettkampf wurde ich wach, weil es im Bett so kalt war. Das lag nicht am Wetter! Ich habe wie bei einer fiebrigen Erkältung geschwitzt, und zwar richtig. Wäre ich zu Hause, hätte ich in der Nacht die Laken gewechselt, so konnte ich mir nur ein Handtuch auf das Bett legen. Hört denn diese Nervosität vor einem Wettkampf nie auf?

Ein gemeinsames, frühes Frühstück (sagt ja schon der Name, Spätstück ist mir unbekannt *g) mit vielen Vereinskameraden lockerte mich etwas.

Das Brimborium am Schwimmstart wiederum fesselte alle. Philip, aber auch unser „Vereinsarzt“ Jochen (ebenfalls erste Mitteldistanz) genossen dieses Zusammenkommen vieler Triathleten sichtlich. Mit AC/DC und einem mächtigen Kanonenschuss wurden die einzelnen Wellen gestartet. Bei mir lief es zu Beginn wie immer:

Panik ob der Massen, leichtes Zurückhalten und die Anderen erst mal machen lassen, mit Kraulbewegungen anfangen und – keine Luft mehr bekommen. Wie ein am Land liegender Fisch schnappte ich nach Luft. Aber der enge Neoprenanzug und der Wasserdruck verstärkten die Beklemmungen. Also Brust, nee wat blöd. Dabei habe ich in diesem Jahr mehr trainiert als je zuvor, was das Schwimmen betrifft. Nach geschätzten 400 Metern habe ich mich dann erholt, und es lief einigermaßen – aber, Hoffnung auf eine große Schwimmkarriere habe ich nicht mehr.

auf-Tour2Der Wechsel funktionierte auch nicht, es sollte wohl ein gebrauchter Tag werden. Die Radstrecke durch das „Land der 1.000 Hügel“ schwierig, aber das ist bekannt. Ärgerlich das zu den Bergen (für manche Hügel, für andere Erdblasen) auch noch starker Gegenwind kam. Noch ärgerlicher, dass mich Rookie Philip nach circa 5 Kilometern überholte – obwohl er 15 Minuten später gestartet ist (Achtung! Abmahnung, Cheffe überholen verboten – steht bereits oben *g). Aber was willste machen, das Alter, vielleicht auch noch Bonn in den rasierten Beinen, vielleicht aber sind die Anderen einfach zu gut. Und, ehrlich, ich gönnte es ihm ja ein klein wenig. Man merkte ihm sichtlich an, wie er diesen Wettkampf genoss!

Ich tuckerte also hinterher, absolvierte die 1.000 Hügel (nicht alle 1.000, aber ganz viele) und kam etwas geplättet ins Ziel.

Und genau da kam mir dieser Wirbelwind wieder entgegen, laufend, lächelnd, aber – dann war ja noch was zu holen für mich.

Leider musste ich noch das Rad abstellen, mich umziehen, und auf das Dixie Klo (gefühlte 5 Minuten Wartezeit!). Dann konnte ich aber auch auf die Laufstrecke, und es lief im wahrsten Sinne des Wortes gut, besser als in Bonn. Und vor mir, nicht sichtbar aber irgendwo, mein persönlicher Gegner an diesem Tag: Philip!

Das motivierte und ich schlug ein für mich schnelles Tempo an. Erst mal einholen, dann sehen wir weiter. Nach der ersten Runde war es soweit, ungefähr bei Kilometer Acht hatte ich ihn. Jetzt, ganz Profi *g, lächelnd vorbei, keine Freundlichkeiten, zeigen wer der Stärkere ist! Klappte auch, ich musste grinsen, was mach ich hier eigentlich? Aber egal, er hatte 15 Minuten Vorsprung, davon wollte ich mir auf den letzten Kilometern einige zurückholen. Der Vorteil dieses Vorhabens – ich kam gar nicht erst auf die Idee, an einigen Passagen (bergan beispielsweise) zu gehen, nein, jede Sekunde zählte. Lediglich an den Verpflegungspunkten und bei dem Ein- oder Anderen Gespräch mit den „Ehefrauenfans“ einiger Mitglieder blieb ich stehen respektive ging ich.

Der Plan schien aufzugehen, aber wie es so ist im Leben, leider nicht ganz. Am Ende hatte Philip etwas mehr als eine Minute Vorsprung, von einer Abmahnung habe ich dann abgesehen, er sah so glücklich aus *g

auf-Tour3Alle anderen Fortunen haben mich auch abgehängt (bis auf Frank den ließ ich hinter mir, schön dass Du den nötigen Respekt hast, lieber Frank, deine Ehrenmitgliedschaft ist in Arbeit *g)

Trotzdem, ein schönes Wochenende. Es war für mich sehr wertvoll zu erfahren, dass ich wieder laufen kann, lange und am Stück. Das nehme ich aus dem Kraichgau mit. Und auf der Rückfahrt im Auto grinste Philip immer noch ob seiner guten Leistung, und er bekam dieses Grinsen nach eigener Aussage auch einige Tage lang nicht weg.

Der zweite Rookie auf dieser Distanz, unser „Vereinsarzt“ Jochen, finishte in 5.59 Stunden! Und, diese Zeit hatte er im Vorfeld sogar angekündigt.

Tolle Mitstreiter habe ich da im „geilsten Club der Welt“.

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